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Thomas Jaggo beim CI-Technik-Seminar 2011

Am 28. und 29. Oktober fand ein CI- Technik-Seminar des Cochlear Implant Verbandes Hessen-Rhein-Main e.V. (CIV HRM) in Bad Nauheim statt. Das Seminar sollte über technische Hilfsmittel informieren, die dem CI- und Hörgeräte-Träger das Leben erleichtern, und diese Hilfsmittel praktisch vorführen. Thomas Jaggo, Geschäftsführer der Jaggo Media GmbH, referierte u.a. über induktive Höranlagen.

Die Jaggo Media GmbH befasst sich mit der Planung und Installation induktiver Höranlagen in öffentlichen und gewerblichen Räumen gemäß dem internationalen Standard der EN 60118-4. Aber auch die Ausstattung mit Beschallungsanlagen für “Normalhörende” gehört zu den Geschäftsfeldern des Unternehmens.

Thomas Jaggo hatte eine mobile induktive Höranlage mitgebracht, die außer dem Aufstellen des Ringschleifen-Verstärkers lediglich das Auslegen eines dünnen Kabels entlang der Fußleiste des Seminarraumes für ihre Betriebsbereitschaft erforderte. Jaggo erläuterte zunächst die Gründe für das Problem “Hören im Störgeräusch” für Menschen, die Hörsystem wie CI und Hörgeräte nutzen.

Aus seiner Arbeit als Akustiker für Planung und Bau von Beschallungsanlagen weiß er, wie schwierig die Anordnung und Auswahl von Mikrofonen für die Aufnahme einer komplexen Hörsituation ist. Bei den Menschen mit Hörsystemen sind ebenfalls Mikrofone für die Aufnahme der Hörsituation erforderlich, die jedoch wegen ihrer Größe nie die Qualität von Mikrofonen erreichen können, wie sie z.B. in Konzertsälen verwendet werden. Selbst CI- und Hörgeräteträger, die in ruhiger Umgebung gut hören können, haben deshalb im Störschall Probleme mit dem Verstehen.

Abhilfe schafft hier das Mikrofon, dass unmittelbar an der Geräuschquelle (z. Bsp. dem Sprecher) angeordnet wird. Jetzt ist nur noch eine geeignete Methode der Übertragung zu dem Hörsystem des hörbehinderten Menschen erforderlich. Hier hat sich die induktive Übertragung bewährt, die schon seit ca. 60 Jahren angewendet wird. Über ein Magnetfeld eines Leiters, der im Raum verlegt ist, oder einem Kabel, das um den Hals liegt, wird von einem Verstärker entsprechend dem akustischen Signal ein Magnetfeld erzeugt. Die T-Spule in dem Hörsystem des Hörbehinderten empfängt diese elektromagnetischen Wellen und setzt diese wieder in das akustische Signal um. Mittlerweile sind die Verstärker den heutigen technischen Möglichkeiten angepasst worden. Für die Planung, Einrichtung und Betrieb von induktiven Höranlagen gibt es den internationalen Standard der EN 60118-4.

In den angelsächsischen Ländern sowie Skandinavien, Nordamerika und Australien sind induktive Höranlagen als Beitrag zur Barrierefreiheit von Hörbehinderten weit verbreitet. In Deutschland sind fast nur Kirchen mit induktiven Höranlagen ausgestattet, auch wenn diese manchmal nicht nutzbar sind, wie eine Teilnehmerin berichtete. Sie hatte sich zur Aufgabe gemacht, die in ihrem Wohnumfeld befindlichen Kirchen auf taugliche induktive Höranlagen zu untersuchen.

Jaggo berichtete, dass bezüglich Barrierefreiheit von Hörbehinderten mittlerweile auch ein Umdenken in Deutschland stattfindet. So hat z.B. das Bundesland Bayern kürzlich die Ausstattung von öffentlichen Gebäuden mit Anlagen für die Barrierefreiheit von Hörbehinderten bei Sanierung und Neubau zwingend vorgeschrieben.

Interessant waren auch der Kostenvergleich einer von ihm ausgeführten Beschallungsanlage in einem öffentlichen Gebäude von 500.000 € und der im gleichen Gebäude ausgeführten induktiven Höranlage von nur 15.000 € (=3,0 %). Jaggo erläuterte im Weiteren die Besonderheiten beim Anordnen von Induktionsschleifen in großen Räumen und deren Abhörsicherheit zu Nachbarräumen. Auch referierte er über andere Übertragungswege vom Mikrofon zum Hörsystem wie FM-Funk oder Infrarot.

Quelle: Schnecke